
Fotos: © Koelnmesse GmbH / Kind + Jugend/ Harald Fleissner & Thomas Klerx
Kinderprodukte müssen oft zwei Zielgruppen überzeugen: Kinder und Jugendliche, die sie nutzen, und Eltern, die sie bezahlen. Welche Erwartungen prägen den Kauf? Sechs Trends zeigen, worauf sich Marken bei Produktentwicklung und Marketing einstellen sollten.
Ein Kinderwagen soll sicher sein und sich auch mit einer Hand zusammenklappen lassen. Eine Lern-App muss Kindern Spaß machen und Eltern ihren Nutzen erklären. Bei Kleidung entscheidet der Geschmack der Jugendlichen mit, beim Preis oft das Familienbudget. Wer Produkte und Dienstleistungen für junge Menschen und ihre Eltern entwickelt, hat es mit mehreren Entscheidern zu tun.
Auf der Messe Kind + Jugend waren 2026 vor allem smarte Babyprodukte, aufwendig gestaltete Alltagshelfer und vielseitig nutzbare Ausstattung zu sehen. Ein Überblick aus der Sicht unserer GIM-Branchenexpertinnen Tina Choi-Odenwald, Tanja Herbst und Lisa Huber.
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1. Smarte Technik soll Eltern Sicherheit geben
Der Trend: Vernetzte Babycams, App-verbundene Milchpumpen oder Assistenzsysteme für Kinderwagen versprechen mehr Überblick. Sie sprechen Eltern an, die sich zusätzliche Sicherheit für ihr Kind sowie Unterstützung bei alltäglichen Aufgaben wünschen.
Was bedeutet das für Anbieter? Ob die Technik hilft, hängt auch davon ab, wie verständlich sie ist. Eltern müssen eine Meldung einordnen können und wissen, ob sie handeln sollten. Ständige Benachrichtigungen oder schwer verständliche Messwerte können dagegen zusätzlich verunsichern.
Für Hersteller lohnt es sich deshalb, früh zu prüfen, welche Informationen Familien tatsächlich brauchen. Eine klar erklärte Funktion, die im Alltag zuverlässig hilft, kann überzeugender sein als zahlreiche Zusatzfunktionen. Das gilt auch für die Kommunikation: Sie sollte zeigen, wofür das Produkt geeignet ist und wo seine Grenzen liegen.

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2. Gute Produkte machen den Alltag leichter
Der Trend: Morgens bleibt wenig Zeit, unterwegs ist nur eine Hand frei, und zu Hause nutzen mehrere Betreuungspersonen dasselbe Produkt. Unter solchen Bedingungen zeigt sich, ob eine Neuerung praktisch ist. Neue Flaschenkonzepte, leicht zu reinigende Produkte oder digitale Helfer setzen an solchen Aufgaben an.
Was bedeutet das für Anbieter? Für die Entwicklung zählt dabei der gesamte Ablauf. Ein Kinderwagen lässt sich vielleicht bequem schieben, passt aber zusammengeklappt nicht in den Kofferraum. Eine App bietet hilfreiche Funktionen, verlangt jedoch jedes Mal eine umständliche Anmeldung.
Hersteller von Ausstattung, Haushaltsprodukten und Mobilitätsangeboten sollten deshalb beobachten, wie Familien ihre Produkte tatsächlich verwenden. Dabei werden Probleme sichtbar, die in einer Konzeptbewertung leicht übersehen werden. Auch unterschiedliche Wohnverhältnisse und Betreuungsmodelle gehören in diese Prüfung.

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3. Auch Kinderprodukte müssen gut aussehen
Der Trend: Babybett, Windeleimer und Töpfchen wurden auf der Kind + Jugend 2025 auch als Designobjekte präsentiert. Selbst praktische Alltagsgegenstände sollen zum Wohnstil der Eltern passen.
Was bedeutet das für Anbieter? Für Möbel- und Ausstattungsmarken bietet das Möglichkeiten, sich über Gestaltung und Materialien zu differenzieren. Ob Eltern dafür mehr bezahlen, hängt allerdings von ihren Prioritäten und ihrem Budget ab. Eine Messe für hochwertige Ausstattung bildet diese Unterschiede nur begrenzt ab.
Mit zunehmendem Alter bringen Kinder eigene Vorstellungen ein. Jugendliche nutzen etwa Kleidung oder die Einrichtung ihres Zimmers, um ihren Geschmack auszudrücken und sich von anderen abzugrenzen. Was Eltern schön und hochwertig finden, kann bei ihnen auf Ablehnung stoßen. Möbel-, Mode-, Spielwaren- und Technikmarken sollten daher beide Seiten früh einbeziehen und untersuchen, wo ihre Vorlieben übereinstimmen.

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4. Nachhaltigkeit braucht praktische Vorteile
Der Trend: Bei vielen auf der Messe beobachteten Angeboten zeigte sich Nachhaltigkeit in den Materialien oder der Produktgestaltung. Sie wurde seltener als alleinige Hauptbotschaft herausgestellt. Ob Familien nachhaltige Eigenschaften deshalb bereits voraussetzen, lässt sich daraus nicht ablesen.
Was bedeutet das für Anbieter? Für Unternehmen ist besonders interessant, wie sich Nachhaltigkeit mit einem praktischen Vorteil verbinden lässt. Ein mitwachsendes Möbelstück bleibt länger im Einsatz. Ersatzteile ermöglichen eine Reparatur. Robuste Produkte lassen sich an Geschwister oder andere Familien weitergeben.
Bei Ausstattung, die nur für eine kurze Lebensphase gebraucht wird, können auch Rücknahme, Weiterverkauf oder Mietangebote sinnvoll sein. Welche Modelle angenommen werden, sollte für die jeweilige Kategorie geprüft werden. Familien müssen den Vorteil erkennen und die Nutzung als unkompliziert erleben.

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5. Jugendliche fragen KI
Der Trend: Bei Babyprodukten steht häufig das Informationsbedürfnis der Eltern im Vordergrund. Jugendliche suchen selbst nach Antworten und nutzen dafür zunehmend KI. Laut JIM-Studie 2025 setzen 70 Prozent der 12- bis 19-Jährigen KI zur Informationssuche ein. Im Vorjahr waren es 43 Prozent. Das betrifft Bildungsanbieter ebenso wie Medienhäuser, Handel und Technikmarken.
Was bedeutet das für Anbieter? Wenn junge Menschen Fragen im Dialog mit einer Anwendung stellen, sollten Unternehmen prüfen, wie ihre Informationen dort auffindbar sind und ob sie die Fragen ihrer Zielgruppe beantworten.
Aus der Nutzung von KI lässt sich allerdings noch nicht ableiten, welchen Informationen Jugendliche bei einem Kauf vertrauen. Dafür braucht es einen genaueren Blick auf ihre Recherche: Wann hilft eine digitale Antwort weiter? Wann fragen sie Freund:innen oder Eltern? An welcher Stelle möchten sie ein Produkt selbst ausprobieren?
Beim Kauf reden Kinder und Eltern mit
Die Person, die ein Produkt nutzt, entscheidet nicht immer über den Kauf. Gerade bei Angeboten für Kinder und Jugendliche sind Wünsche, Auswahl und Bezahlung oft auf mehrere Personen verteilt.
Bei Babys wählen Erwachsene aus. Ältere Kinder äußern eigene Wünsche, während Eltern das Budget festlegen oder bestimmte Produkte ausschließen. Jugendliche entscheiden je nach Kategorie und verfügbaren Mitteln bereits selbst. Die Rolle der Eltern reicht dann von der Finanzierung bis zur Beratung.
Für Marken lohnt es sich, diese Rollen genauer zu untersuchen. Ein Spiel muss Kindern Freude machen, während Erwachsene beispielsweise auf Qualität und Preis achten. Bei Lebensmitteln können Kinder nach Geschmack wählen und Eltern stärker auf Zutaten oder Portionsgrößen schauen.
Produktentwicklung und Marketing brauchen deshalb Antworten für beide Seiten. Wo entsteht Zustimmung? Was führt zu Diskussionen? Und wann genau kippt das Machtgefüge, so dass Jugendliche vermehrt selbst entscheiden können?

Fotos: © Koelnmesse GmbH / Kind + Jugend/ Harald Fleissner & Thomas Klerx
Wie die GIM helfen kann
Ein Angebot für Familien kann in einem Haushalt überzeugen und in einem anderen scheitern. Alter, Alltag und finanzielle Möglichkeiten beeinflussen, was gebraucht und gekauft wird. Allgemeine Aussagen über Kinder oder Eltern reichen für konkrete Entwicklungsentscheidungen deshalb häufig nicht aus.
Kinder und Jugendliche sollten in der Forschung selbst zu Wort kommen. Ihre Eltern können ihre Wünsche nicht vollständig wiedergeben. Ebenso wichtig ist es, die Erwachsenen einzubeziehen: Erst ihre Sicht auf Preis, Nutzen und Alltag erklärt, welche Ideen beim Kauf eine Chance haben.
Die GIM untersucht, welche Entwicklungen für Ihre Zielgruppen relevant sind und was sie für Ihr Angebot bedeuten. Mit altersgerechten Interviews, Einblicken in den Familienalltag sowie Konzept- und Produkttests beziehen wir Kinder, Jugendliche und Eltern ein.
So erfahren Sie, wie Familien auswählen, wo sich Erwartungen unterscheiden und welche Produkte im Alltag überzeugen. Die Ergebnisse helfen Ihnen beispielsweise, Funktionen zu priorisieren, die Gestaltung zu prüfen oder passende Kaufargumente zu entwickeln.
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Sie möchten ein Produkt für Familien weiterentwickeln oder Ihre Kommunikation gezielter ausrichten? Sprechen Sie mit uns über Ihre Fragen an Kinder, Jugendliche und Eltern.

Tina Choi-Odenwald
Research Director

Tanja Herbst
Research Director





