
Glasfaser ist vielerorts bereits für rund die Hälfte der Haushalte verfügbar – aber ein deutlich kleinerer Teil nutzt sie aktiv. Die Leitungen liegen, die Nachfrage bleibt oft im „reicht doch“-Modus. Nach wie vor dominiert DSL. Das ist kein Technikproblem. Es ist ein Adoptionsproblem: Zwischen „Anschluss liegt“ und „Tarif wird gebucht“ liegt der Hausflur – also die letzte Meile aus Sicht der Lebensrealität: Vertrag, Preiswahrnehmung, Wechselhürden, Vermieter/Eigentümergemeinschaft, Router, Termin, Unsicherheit.
Kurz: Build ist nicht Buy. Und ohne Buy refinanziert sich Build nicht.
Warum Informationskampagnen allein oft zu kurz greifen
„Mehr Aufklärung“ ist die Standardantwort – und selten die wirksamste. Denn in den meisten Haushalten gilt:
- DSL funktioniert subjektiv.
- Wechsel fühlt sich nach Aufwand und Risiko an.
- Mehrpreis braucht einen spürbaren Mehrwert – jetzt, nicht irgendwann.
Menschen wechseln nicht, weil Infrastruktur „besser“ ist. Sie wechseln, wenn der Wechsel einfach, sicher und sinnvoll erscheint.
Der unterschätzte Hebel: Adoption ist ein Verhalten, kein Wissensstand
Drei psychologische Treiber bremsen Glasfaser besonders:
- Status-quo-Bias: Was läuft, wird nicht angefasst.
- Friktionskosten: Termin, Technik, Unklarheit, „Was, wenn’s nicht klappt?“
- Value Gap: Geschwindigkeit ist abstrakt, bis sie in Alltagssituationen übersetzt wird (Homeoffice, Gaming, mehrere Streams, Uploads, Stabilität).
Genau hier entscheidet sich, ob Glasfaser „Netz“ bleibt oder „Nutzen“ wird.
Best Research Practices – für Kommunen und Telcos (Telekom & Co.)
A) Öffentlicher Sektor: Kommunen als Aktivierungsmanager
1) Adoption Journey statt Ausbaukarte
Kommunen sollten nicht nur „wo liegt Glasfaser“ tracken, sondern den Weg bis zur Buchung:
- Wo brechen Haushalte ab (Info → Interesse → Termin → Buchung → Installation)?
- Welche Hürden dominieren pro Quartier (Vermieter, Router, Preis, Unsicherheit)?
2) Quartiers-Typologien statt „One size fits all“
Segmentieren nach Gebäudetyp und Entscheidungslogik:
- Einfamilienhaus (Eigentümer entscheidet schnell)
- Mehrfamilienhaus mit Vermieter (Gatekeeper)
Glasfaser ist vielerorts bereits für rund die Hälfte der Haushalte verfügbar – aber ein deutlich kleinerer Teil nutzt sie aktiv. Die Leitungen liegen, die Nachfrage bleibt oft im „reicht doch“-Modus. Nach wie vor dominiert DSL. Das ist kein Technikproblem. Es ist ein Adoptionsproblem: Zwischen „Anschluss liegt“ und „Tarif wird gebucht“ liegt der Hausflur – also die letzte Meile aus Sicht der Lebensrealität: Vertrag, Preiswahrnehmung, Wechselhürden, Vermieter/Eigentümergemeinschaft, Router, Termin, Unsicherheit.
Kurz: Build ist nicht Buy. Und ohne Buy refinanziert sich Build nicht.
Warum Informationskampagnen allein oft zu kurz greifen
„Mehr Aufklärung“ ist die Standardantwort – und selten die wirksamste. Denn in den meisten Haushalten gilt:
- DSL funktioniert subjektiv.
- Wechsel fühlt sich nach Aufwand und Risiko an.
- Mehrpreis braucht einen spürbaren Mehrwert – jetzt, nicht irgendwann.
Menschen wechseln nicht, weil Infrastruktur „besser“ ist. Sie wechseln, wenn der Wechsel einfach, sicher und sinnvoll erscheint.
Der unterschätzte Hebel: Adoption ist ein Verhalten, kein Wissensstand
Drei psychologische Treiber bremsen Glasfaser besonders:
- Status-quo-Bias: Was läuft, wird nicht angefasst.
- Friktionskosten: Termin, Technik, Unklarheit, „Was, wenn’s nicht klappt?“
- Value Gap: Geschwindigkeit ist abstrakt, bis sie in Alltagssituationen übersetzt wird (Homeoffice, Gaming, mehrere Streams, Uploads, Stabilität).
Genau hier entscheidet sich, ob Glasfaser „Netz“ bleibt oder „Nutzen“ wird.
Best Research Practices – für Kommunen und Telcos (Telekom & Co.)
A) Öffentlicher Sektor: Kommunen als Aktivierungsmanager
1) Adoption Journey statt Ausbaukarte
Kommunen sollten nicht nur „wo liegt Glasfaser“ tracken, sondern den Weg bis zur Buchung:
- Wo brechen Haushalte ab (Info → Interesse → Termin → Buchung → Installation)?
- Welche Hürden dominieren pro Quartier (Vermieter, Router, Preis, Unsicherheit)?
2) Quartiers-Typologien statt „One size fits all“
Segmentieren nach Gebäudetyp und Entscheidungslogik:
- Einfamilienhaus (Eigentümer entscheidet schnell)
- Mehrfamilienhaus mit Vermieter (Gatekeeper)
- WEG/Eigentümergemeinschaft (Langsamkeit durch Abstimmung)
- Sozialer Wohnungsbau (andere Preislogik, andere Informationskanäle)
3) Trust-Proof im lokalen Kontext
Kommunen können Glaubwürdigkeit liefern, wo Werbung weniger wirkt:
- lokale Ansprechpersonen/Infopoints
- koordinierte Installationstage pro Haus/Quartier
- „Done for you“-Leitfäden für Vermieter/WEGs (Standardbeschluss, Checklisten)
Messlogik (kommunal): Take-up je Quartier, Abbruchgründe, Termin-/Installationsquote, Zeit bis Aktivierung, Zufriedenheit nach Installation.
B) Telco-Unternehmen: Vom Produktverkauf zur Friktions-Reduktion
1) Preis-/Wertwahrnehmung testen – nicht vermuten
Viele Haushalte reagieren weniger auf „mehr Mbit/s“ als auf:
- Stabilität (weniger Ausfälle)
- Upload (Videocalls, Cloud)
- Multi-Use (mehrere Geräte gleichzeitig)
- Serviceversprechen (24h Fix, Router inkl.)
Best Practice ist hier: Value Messaging A/B testen nach Lebenssituation, nicht nach Demografie.
2) „Switching“ industrialisieren
Wenn der Wechsel Aufwand ist, muss die Marke Aufwand entfernen:
- Termin-Bündelung im Haus (mehrere Wohnungen an einem Tag)
- proaktive Router-/WLAN-Hilfe (nicht nur Lieferung)
- klare, kurze „Was passiert wann?“-Kommunikation
- Wechselgarantie/Übergangslösung (Angst vor Ausfall killt Adoption)
3) Hausflur-Strategie: Vermieter und WEG als echte Zielgruppe behandeln
In Mehrfamilienhäusern sind Vermieter/Verwalter die Gatekeeper. Das heißt:
- eigene Angebote/Services für Vermieter (Prozess, Kommunikation, Sammeltermine)
- Materialien, die Beschlussfähigkeit erhöhen (Kosten, Nutzen, Ablauf, Haftung)
- KPI nicht nur „Homes Passed“, sondern „Homes Activated“ pro Objektcluster
Messlogik (Telco-Unternehmen): Take-up pro Gebäudetyp, Conversion je Prozessstufe, No-Show/Installationsabbrüche, Servicekontakte, NPS nach Installation, Churn in den ersten 90 Tagen.
Branchen-Beispiel: „Homes Activated“ als die neue Leit-Kennzahl
Der klassische Ausbau-Fokus („Homes Passed“) ist politisch und kommunikativ attraktiv. Wirtschaftlich zählt aber:
Homes Activated – wie viele der erreichbaren Haushalte werden zahlende Nutzer.
Best practice ist, Ausbau- und Aktivierungsbudget gekoppelt zu planen: Wer 1 km Netz baut, muss auch die letzten 10 Meter im Hausflur „bauen“ – als Prozess, Service und Kommunikationslogik.
Fazit
Glasfaser ist kein reines Infrastrukturprojekt. Es ist ein Verhaltens- und Vertrauensprojekt. Solange DSL „gefühlt reicht“, gewinnt nicht die Technik, sondern der Status quo. Der Engpass sitzt im Hausflur: Friktion, Gatekeeper, Value Gap.
Wer das lösen will, braucht keine lauteren Kampagnen, sondern bessere Mechanik:
- Alltagssituationen statt Megabit
- Prozesssicherheit statt Prospekt
- Gatekeeper-Strategie statt Gießkanne
FAQ: Glasfaser, Take-up und Aktivierung
Warum buchen viele Haushalte trotz verfügbarer Glasfaser keinen Anschluss?
Weil der Status quo (DSL) subjektiv ausreicht, der Wechsel Aufwand/Risiko bedeutet und der Mehrwert nicht konkret genug im Alltag ankommt.
Was bedeutet „Homes Passed“ vs. „Homes Activated“?
Homes Passed = Anschluss liegt an. Homes Activated = Anschluss ist gebucht und aktiv genutzt. Für Refinanzierung zählt Activated.
Welche Rolle spielen Vermieter und Eigentümergemeinschaften?
Eine große. In Mehrfamilienhäusern entscheiden häufig Gatekeeper mit – das verlängert Prozesse und senkt Conversion, wenn man sie nicht gezielt adressiert.
Reichen Informationskampagnen zur Aktivierung?
Selten allein. Entscheidend sind Friktionsabbau (Termin/Installation), klare Nutzenübersetzung und Vertrauen/Serviceversprechen.
Was sollten Kommunen anders messen als nur Ausbauquoten?
Abbruchgründe in der Journey, Aktivierungsraten je Quartier, Gebäudetypen, Zeit bis Aktivierung und Zufriedenheit nach Installation.
Was sollten Telco-Unternehmen priorisieren, um Take-up zu erhöhen?
Switching vereinfachen, Nutzen life-centric kommunizieren (Stabilität/Upload/Multi-Use), Gatekeeper-Programme für Vermieter/WEGs und Servicequalität nach Installation.
GIM hilft Kommunen, Stadtwerken und Telco-Unternehmen, aus „Homes Passed“ wirtschaftlich tragfähige Homes Activated zu machen: Wir identifizieren die echten Hausflur-Hürden (Vermieter/WEGs, Wechselangst, Preis-/Wertwahrnehmung), quantifizieren Abbruchpunkte entlang der Adoption-Journey und testen Botschaften, Angebots- und Prozessdesigns (z. B. Sammeltermine, Switching-Services, Garantien). Ergebnis: höhere Take-up-Raten, weniger Friktion – und ein Ausbau, der sich auch rechnet.

Andreas Guber
Head of B2B Services
Nürnberg

Alexandra Wachenfeld-Schell
Corporate Director,
Head of Public & Media Research
Wiesbaden





